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23.08.2019

RUGBY | LEO LUGINBÜHL: "QUADRATISCH. KOMPAKT. GUT."

Steht man dem Kraftpaket Leo Luginbühl gegenüber, fällt einem sofort der abgewandelte Werbespruch eines Schokoladen-Herstellers ein. Dabei handelt es sich bei seinem Lieblingssport beileibe nicht um einen Schoki-Job: Er setzt seinen Körper, seine Schnelligkeit und seine Durchsetzungskraft im GC Rugby-Meisterteam am Flügel oder als Fullback ein - mit Erfolg. Und so soll es bleiben.

Leo Luginbühl ist ein sehr sympathischer Zeitgenosse. Er ist freundlich, offen - und im positiven Sinn angefressen vom Rugby-Sport. Sonst würde er nicht zweimal wöchentlich von Bern nach Zürich und an den Wochenenden zum Spiel oder auch auswärts, vornehmlich in die Westschweiz reisen: „Immerhin habe ich bei Auswärtsspielen dank meines Wohnorts eine Stunde weniger Reisezeit." Dass ihm dabei auf der Rückfahrt ein, zwei Bier durch die Lappen gehen, kann er verschmerzen, wie er augenzwinkernd verrät. Insider wissen, dass im Rugby die Geselligkeit ebenso intensiv praktiziert wie der Sport ausgeführt wird. Nach dem Wettkampf treffen sich beide Teams zum gemeinsamen Essen und auf der Heimfahrt im Car gibt‘s das eine und andere Bier, um die Strapazen vergessen zu machen.

Erst Lehrabschluss, dann Profi

Leo Luginbühl (20) lebt, zusammen mit seinem Bruder bei seiner Mutter in Bern, seinen Vater besucht er regelmässig in Estavayer-le-Lac. „Familiär haben wir‘s gut“, sagt Leo, der in der Technischen Fachschule in der Bundeshauptstadt eine Schreinerlehre absolviert. Dort kann er als ein von Swiss Olympics anerkannter Sportler seinen Arbeitsplan den Trainingsaktivitäten oder Verpflichtungen im Zusammenhang mit seinem Sport anpassen. „So konnte ich auch heute den Arbeitsplatz um 16 Uhr verlassen, um rechtzeitig bei diesem Gespräch in Zürich zu sein“, erzählt Leo Luginbühl, der dann gleich anschliessend zum GC Training fuhr. In seinem Lehrbetrieb ist er mitbeteiligt an der Herstellung von Küchen, Türen, Schränken etc. „Die Vielseitigkeit der Arbeit macht mir grossen Spass“. In zwei Jahren wird er den Abschluss machen, sofern er dann noch nicht Rugby-Profi ist. „Sollte ein Angebot kommen, werde ich stark mit mir zu kämpfen haben“, sieht Leo Luginbühl in die Zukunft. Denn eigentlich weiss er, dass es sehr wertvoll ist, einen Berufsabschluss in der Tasche zu haben, andererseits ist Rugby seine grosse Passion, der er vieles, wenn nicht alles unter zu ordnen bereit ist. „Ich nehme es, wie‘s kommt“, sagt er denn auch.

Weiterbildung in Südafrika und Frankreich

Professionelles Rugby wird er wohl so oder so betreiben, im Idealfall nach dem Lehrabschluss. Teams in England, wo Rugby auf hohem Niveau gespielt wird, oder in Frankreich stehen für ihn im Vordergrund. Aber er hat auch schon in anderen Regionen seine Fühler ausgestreckt. So war er zusammen mit GC Teamkollege Andri Koeferli und GC Trainer Alex Ramon kürzlich für zwei Wochen in Südafrika in einer Rugby Academy. Leo Luginbühl: „Es war eine tolle Erfahrung, wir haben viel gesehen, viel gelernt und Kontakte geknüpft.“ Dass man im Rugby-Land Südafrika aber nicht gerade auf Spieler aus der Schweiz wartet, musste er auch feststellen. So zieht er mit Andri Koeferli weiter. Es soll aber nicht partout „nur“ ein Wechsel in ein Profi-Team sein, sondern es muss schon ein ausgewiesener Klub sein: „Entweder richtig oder gar nicht“, sagt sich Leo Luginbühl. Wenn diese Zeilen erscheinen, werden die beiden GC Cracks auf dem Weg in die französische Region Hoch-Savoyen sein, wo sie zwei Clubs der zweiten und dritten französischen Liga besuchen werden, nicht in erster Linie um sich für ein Engagement zu zeigen ("Die Meisterschaft in Frankreich beginnt, da sind die Teams personell bereits komplett", Zitat Luginbühl), sondern um Kontakte zu knüpfen, die eventuell in Zukunft interessant sein können. „Für uns ist es einfach wichtig, sich in Ländern fortzubilden, in denen ein höheres Niveau gespielt wird als bei uns in der Schweiz. Nur so kommt man weiter“, betont Leo Luginbühl. Nach ihrer Rückkehr dann werden die beiden im GC Team das Projekt „Titelverteidigung“ angehen.

Zum Rugby ist Leo Luginbühl durch einen Freund gekommen, der mehrere Jahre in Südafrika den Rugby-Sport betrieben hat. Nach dessen Rückkehr sprach er Leo an, der bis dahin Fussball und dann Tennis gespielt hat und im Judo aktiv war, doch einmal beim Rugby-Club in Bern „rein zu schauen“. Er tat es und war sofort begeistert. Tennis war für ihn passé, fortan widmete er sich dem Rugby. Das war vor neun Jahren. Vor anderthalb Jahren fand er, einen Tapetenwechsel vornehmen zum müssen, um sein Niveau zu steigern. Er schaute bei Lausanne rein, aber auch beim Grasshopper Club, wo er sofort von Coach Alex Ramon begeistert war. Dieser hatte ein Konzept entwickelt, das den Club befähigen sollte, innerhalb der nächsten drei Jahre einen Titel zu gewinnen. Leo Luginbühl war davon beeindruckt und wechselte zum GC. Er wollte Teil dieses Projekts sein. Das Team und auch er haben sich prächtig entwickelt. Bekanntlich konnte im Sommer d.J. der Titel gewonnen werden. Eine tragende Rolle spielte dabei Leo Luginbühl, der „schnellste Berner“, wie er in GC Rugby-Kreisen betitelt wird.

Arbeiten, essen, trainieren, schlafen...

Leo Luginbühls Tage sind bestens ausgefüllt mit der Lehre und dem Training. Neben dem Teamtraining stehen täglich verschiedene,  persönliche Trainingsformen auf dem Programm.  Er will seine Fähigkeiten weiter verfeinern: Er ist explosiv, sehr schnell, verfügt über eine gute Spielübersicht, sieht die „Löcher“ in die er stossen kann, weshalb er gerne als Fullback spielt. Leo Luginbühl: „Die Konkurrenz im Team ist gross, da muss man ständig auf einem hohen Level sein“. Sagt es und verabschiedet sich ins Training - mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Eugen Desiderato

(Von: Eugen Desiderato)